Via Chamaria -
 Altstraßen im Landkreis Cham
  Arbeitskreis zur Kartografie, Dokumentation und Inventarisierung historischer Straßen des Landkreises Cham

Die Obere Pfalz ist ein durchaus geschichtsträchtiges Land. Allein schon der Name Cham ist keltischen Ursprungs. Eine keltische Höhensiedlung auf dem Lamberg gilt inzwischen als gesichert.
Die Obere Pfalz ist ein durchaus geschichtsträchtiges Land. Allein schon der Name Cham ist keltischen Ursprungs. Eine keltische Höhensiedlung auf dem Lamberg gilt inzwischen als gesichert. Die spätere Mark Camma wurde im Mittelalter Teil des bayerischen Nordgaues. Die von Regensburger Benediktinermönchen gegründete "Cella apud Chambe" in Chammünster wurde Ausgangspunkt Besiedelung und Christianisierung des Oberen Bayerischen Waldes sowie des mittleren Böhmerwaldes. Die Ende des ersten Jahrtausends gegründeten Reichsburg auf den Südhängen des Galgenberges war Keimzelle des heutigen Cham. Sie hatte Sicherungsfunktion für die Cham-Further-Senke und die unter ihr entlangführende Straße ins Böhmische. Schon um 1000 besaß Camma das Münzrecht. Sicher aus defensiv-strategischen Gründen wurde die Stadt zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert an ihren heutigen Standort in den Regenbogen verlegt.
Die Cham-Further-Senke zwischen dem Oberpfälzer Wald im Norden und dem Bayerischen Wald im Süden war natürlicher Verkehrsweg, der sich in der Bodenwöhrer Bucht fortsetzt und den natürlichen Weg für eine Besiedlung der Region zuerst durch Narisker und später durch den bayerischen Volksstamm vorgab. Von der Antike bis in die Neuzeit durchzogen das Gebiet um Cham eine Vielzahl von Verbindungswegen, darunter wichtige Heeres- und Handelsstraßen. Noch bis ins frühe 12. Jahrhundert verläuft der Handel mit Gütern aus dem Rhein-Main-Gebiet, dem süddeutschen Raum und aus Italien von Regensburg aus über Cham und Waldmünchen und Furth bis nach Prag. Salz wurde von Straubing kommend über Cham nach Böhmen verhandelt.
Der heutige Landkreis Cham ist durchzogen von alten Hohlgassen von teils imposanter Größe, Saum- und Schmugglerpfaden, Wallfahrtsrouten und anderen Trassen.
Vor dem Auftauchen der ersten Straßenkarten, stammten die Informationen über Verbindungen der Städte untereinander aus Itineraren des 13. bis 15. Jahrhunderts, aus Reisebeschreibungen, Aufzeichnungen über Kriegszüge, Wallfahrten und Studienreisen bzw. aus der Korrespondenz von Kaufleuten. Daneben gibt es Karten wie die von Philipp Apian, in denen zwar Ortschaften verzeichnet sind, jedoch keine Wege. Bis ins 17. Jahrhundert zeigten Straßenkarten keine geographisch korrekt dargestellten Verbindungswege, sondern gaben - nach römischen Vorbild - lediglich Aufschluss über Entfernungen von Etappenorten und machten Angaben über Herbergen. Erst das Postwesen führte ab Ende des 17. Jahrhunderts in Europa zur Herausgabe sehr exakter Poststreckenkarten. "Post-Karte von Baiern" entsteht 1810. Der spätere König Maximilian I. gründete im 1801 das "Topographische Bureau". Im Zuge der Bayerischen Landvermessung entstehen als Lithographien ab 1808 die sogenannten Urpositionsblätter, die erstmals als geographisch richtiges Abbild des Landes angesehen werden müssen, ergänzt von den Ortsblättern, großformatige Flurkarten aus den Jahren 1808 bis 1853.
Wirtschaftliche Aspekte und Industrialisierung erforderten vom 18. bis ins 19. Jahrhundert den Ausbau des bestehenden Wegenetzes zu Kunststraßen, den "Chauseen". Seit römischer Zeit wurden erstmalig wieder Straßen auf staatliches Betreiben geplant gebaut und befestigt, von den Höhen in die Täler verlegt, der Verkehr gebündelt. Viele Wege wurden aufgegeben oder nur noch von Fußreisenden oder Säumern benutzt. Bis in die Zeit der Flurbereinigung waren in der Landwirtschaft genutzte Trassen oder sogenannte Kirchwege in Benutzung.
"Via Chamaria" arbeitet gegen die Zeit. Fast täglich verschwindet irgendwo ein Weg, wird verfüllt oder muss einem Bauvorhaben weichen. Mit jedem verschwundenen Weg wird es etwas schwieriger die Geschichte und die Bedeutung der Verbindungsstraßen im Landkreis zu ergründen.
Um Rückschlüsse auf Verlauf, Benutzungsgrad und Alter solcher Trassen geben zu können, ist ein erster Schritt, alle noch vorhandenen Wege zu kartographieren und in einer Datenbank zu dokumentieren und mit eventuell existierenden Karten abzugleichen. Begleitende Objekte wie Wegkreuze, Häuser etc. können eine Datierungshilfe sein. Lokalgeologische Gegebenheiten sind zu berücksichtigen. Nicht zuletzt hat jeder Weg auch seine eigene Geschichte. Und so manch Dorfälteste- oder ältester weiß vielleicht noch etwas von "früher", eine kleine Anekdote oder hat einfach eine wertvolle Information, ein kleines Mosaiksteinchen, aus derer vielen sich vielleicht einmal ein Gesamtbild ergeben mag.


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In einer Team-Exkursion begleitete mich vergangenes Wochenende Dr. Andreas Habash in der Gemeinde Willmering. Zusammen vermaßen wir ein Stück des alten Wegesystems zwischen Windischbergerdorf und Schlammering.


  Primärziel Kartografie, Dokumentation und Inventarisierung sämtlicher historischer Verkehrswege des Landkreises Cham, Erstellung einer entspr. Datenbank
  Sekundärziel Auswertung und Erstellung einer detaillierten Bibliographie zum Thema "Altstraßen im Landkreis Cham"


  Ausrüstung Garmin GPSmap 60CSx
  Messgenauigkeit ±3 Meter


Haben Sie Kenntnis von alten Wegverbindungen in Ihrer Nähe? Gibt es Weg- oder Flurkreuze?
hre Informationen sind wichtig und wertvoll und helfen als Mosaiksteinchen das Gesamtbild von der Infrstruktur unseres Gebietes in vergangener Zeit zu vervollständigen und vor dem Untergang zu bewahren!

  Kontakt E-Mail:   via.chamaria(at)gmail.com

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